Theaterpädagogischer Workshop am Campus Mirabell

„Theater ist die Fähigkeit sich selbst im Tun zu beobachten.“ (Augusto Boal)

Mit diesem Verständnis von Theater startete am 13. Mai der theaterpädagogische Workshop im Rahmen einer schulübergreifenden Fortbildung an der Volks- und Mittelschule des Campus Mirabell. Teilhabe, Nicht-Diskriminierung, Solidarität – diese Begriffe sollten anhand verschiedener Übungen reflektiert und greifbar gemacht werden. Armin Staffler, Politologe und Theaterpädagoge aus Tirol, führte die rund 50 teilnehmenden Lehrer:innen und Projektbeteiligten durch den Dschungel der Erfahrungen dieser menschenrechtlichen Abstraktionen eines konstruktiven Miteinanders auf Augenhöhe. Im Anschluss hieß es sacken lassen, austauschen und den Tag gemeinsam ausklingen lassen bei einem Get2gether der Kollegien.

Ein Schlüssel wird zur Sonne, ein Bleistift zur Gitarre, eine Wasserflasche zum Blumenbeet und aus zwei Kollegien wird im Perspektivenwechsel eins.

Nach mehr als zwei Jahren der Pandemie einhergehend mit vielen Fragen und zusätzlichen Anforderungen im schulischen Alltag, Wechsel in den Kollegien und Unsicherheit im Schuljahresverlauf für die Kinder, Eltern und auch Pädagog:innen kamen die Teilnehmenden anhand einer dynamischen Kennenlernübung im Raum an, denn nur hier findet Begegnung statt, der Ausgangspunkt einer jeden Erfahrung. Und um Erfahrungen, persönliche Erfahrungen im professionellen Tun, die um die zentralen Begriffe des Workshops und damit des Menschenrechtsschulprozesses kreisen, geht es an diesem verregneten Nachmittag in der Turnhalle des Campus. Was heißt Teilhabe für mich? Welche Erfahrungen im schulischen Alltag kann ich hinsichtlich (Nicht-)Diskriminierung erinnern und teilen? Wo beginnt Solidarität für mich und was heißt es, geschwisterlich miteinander umzugehen? Welche Erfahrungen aus menschenrechtlicher Sicht prägten meine berufliche Laufbahn im System Schule? Wo sehe ich meinen Platz auf dem Weg zur Menschenrechtsschulidentität? Wie kann eine Menschenrechtsschule aussehen? Diese Fragen können für die Lehrer:innen am Campus Mirabell nicht abschließend beantwortet werden, denn Menschenrechtsschulprozesse entwickeln sich aus der Teilgabe der Beteiligten – das Bild, das entsteht, zeichnen somit die Lehrer:innen selbst.

Menschenrechte sind verführerisch? Sie sind standhaft? Sie sind angriffslustig? Die Verführung liegt in der Utopie, die zwar nicht erreicht werden kann, jedoch Orientierung bietet – gerade zu Krisenzeiten.
Menschenrechtliche Erfahrung ist manchmal schwer in Worte zu fassen, denn sie ist weniger Wort als Haltung. Anhand von dyadischen Skulpturen erarbeiteten die Teilgebenden so dialektische Haltungen, die ihre Beziehung zum menschenrechtlichen Schulprozess widerspiegeln.

Bedeutet die Ethik menschenrechtlicher Haltung, sich von Streit und Verschiedenheit abzuwenden und stets nach Harmonie zu streben? Ganz im Gegenteil, sie bedeutet die verschiedensten Facetten wahrzunehmen und zuzulassen. Menschenrechte erleben heißt und handeln bedeutet, sie streitbar werden zu lassen. Meinungsverschiedenheiten und -veränderungen zu sehen und Grenzen des Streits zu akzeptieren oder wenigstens zu tolerieren. Trotz dieser Meinungsverschiedenheiten im Fluss zu bleiben, sich gegenseitig eine Hand zu reichen, Halt zu geben, aufzufangen, auszuruhen oder die Richtung zu ändern und Stopp zu sagen. Zu erkennen, wann menschenrechtsorientierte Handlungsalternativen fehlen und diese zu zeigen, vorzuleben aus einer inneren Haltung heraus, aneinander zu ziehen und doch in die gleiche Richtung zu schauen (Foto 2 unten). Alles im Blick des eigenen Beobachters, mit der Erkenntnis an diesem Nachmittag: „Frieden ist ein Verb.“ (Wolfgang Dietrich: Der die das Frieden, Springer VS, 2021)

Was sicherlich hilft im schulischen Alltag und im Leben, ist eine Portion Humor und viel Freude. Das hatten viele der Beteiligten an einem kurzweiligen Nachmittag und in der Beschäftigung mit dem eigenen menschenrechtlichen Verständnis und dem „Hineinspüren“ aus Beobachterperspektive. Wie sich die Verbindung der Begriffe Teilhabe (oder Teilgabe?), (Nicht-)Diskriminierung und Solidarität mit den Skulpturen und Haltungen anfühlt zu erleben und sich in dieser Begegnung kennenzulernen.

Menschenrechte sollten dabei nicht erbettelt, sondern als Handlungsmaxime für sich und andere eingefordert werden. Dazu muss der Blick weiter gefüllt werden mit Wissens- und Erfahrungsbausteinen. Und kann dann in einer dynamischen Auseinandersetzung mit Menschenrechten, dem Miteinander und dem Gegenüber gefeiert werden.

Um diese eigenen Handlungsspielräume zu erkennen und zu erweitern, entstand an dem Nachmittag und seiner Reflexion im Steuerungsteam der Wunsch, mehr über menschenrechtliche didaktische Zugänge zu erfahren. Eine mehrteilige SCHÜLF im kommenden Semester zu Menschenrechtsschulprozessen, menschenrechtliche Didaktik und Methoden, sprachsensiblen Unterricht und Vernetzung im Sozialraum wird derzeit geplant, um auf das gemeinsame menschenrechtliche Zusammenrücken und Auseinandersetzen in dieser schulübergreifenden Vernetzung aufzubauen. Außerdem entstand in seiner Folge die Idee einer Arbeitsgruppe für Partizipationsstrukturen innerhalb der Kollegien.

Ein herzlicher Dank an Armin Staffler für das Hindurchführen durch das Beobachten des eigenen menschenrechtlichen Denkens und Handelns an diesem Nachmittag!

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